Stylus

Zeitschrift für Literatur- und Medienkritik

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Zeitschrift für Literatur- und Medienkritik

  • Über Jenny Erpenbecks »Dinge, die verschwinden« und was davon bleibt

    Die viel­fach aus­ge­zeich­ne­te Autorin Jen­ny Erpen­beck war ver­gan­ge­nen Herbst als Refe­ren­tin der Tübin­ger Poe­tik-Dozen­tur zu Gast an der Uni­ver­si­tät Tübin­gen. Jetzt, wo der Win­ter ver­schwun­den und die Wie­sen wie­der früh­lings­grün sind, lohnt es sich, ein son­ni­ges Plätz­chen auf­zu­su­chen und in Erpen­becks Pro­sa­werk zu blät­tern über »Din­ge, die ver­schwin­den« (2025). Dabei begeg­net einem genau das rich­ti­ge…

  • Vergessen, um neu zu erinnern 

    Judith Schal­an­sky legt mit ihrem Roman »Ver­zeich­nis eini­ger Ver­lus­te« eine lite­ra­risch anspre­chen­de Über­le­gung vor, wie die Ver­gan­gen­heit und das Erin­nern zum neu­en Mög­lich­keits­raum künf­ti­gen Han­delns wer­den. In sei­nem Opus Magnum Wahr­heit und Metho­de (1960) ent­fal­tet der Phi­lo­soph Hans-Georg Gada­mer sein Ver­ständ­nis von Her­me­neu­tik. Die Her­me­neu­tik ist seit jeher die Leh­re des Ver­ste­hens und somit ein…

  • Innehalten — Angriffszeit in Ann Orens “Piaffe”

    Und heu­te, in unse­rer Inter­net­welt, in der alles auf digi­tal kodier­te Nach­rich­ten, Bil­der und Simu­la­k­ren redu­ziert ist, die augen­blick­lich von einem Men­schen zum ande­ren über­tra­gen wer­den, ler­nen wir in unse­rer Lei­den­schaft für ande­re Tie­re all die Ritua­le und Zau­ber, die sen­gen­de und necki­sche Prä­senz und die zere­mo­ni­el­len Ver­zö­ge­run­gen der Ero­tik.       Ani­mal Bodies, Alphon­so Lin­gis…

  • Ein Meisterwerk der filmischen Erzählkunst – Jonathan Glazers »The Zone of Interest«

    Mit The Zone of Inte­rest ist Regis­seur Jona­than Gla­zer ein Meis­ter­werk gelun­gen. Der His­to­ri­en­film wur­de im Jahr 2023 ver­öf­fent­licht und basiert auf dem gleich­na­mi­gen Roman von Mar­tin Amis. Auf ein­drucks­vol­le Wei­se schafft es Gla­zer mit den deut­schen, preis­ge­krön­ten Schau­spie­lern San­dra Hül­ler und Chris­ti­an Frie­del einen Film auf die Lein­wand zu brin­gen, der die ›Bana­li­tät des…

  • »What Does The Fox Say?« — ›Die schlaue Füchsin‹ von Leoš Janáček an der Staatsoper Stuttgart

    Zwi­schen Wald und Welt – über das Spre­chen der Natur in Leoš Janá­čeks ‚Die schlaue Füch­sin‘ in der Insze­nie­rung von Ste­phan Kim­mig an der Staats­oper Stutt­gart  Das Duo Ylvis lan­de­te mit dem Song ›What Does The Fox Say?‹ einen uner­war­te­ten Welt­hit, der 2013 zu den meist­ge­se­he­nen Vide­os auf You­Tube zähl­te und mit die­ser unbe­ant­wort­ba­ren Fra­ge zu einem…

  • Die Poetikvorlesung als Genre: Daniel Kehlmanns Beitrag »Gattungen, Tonfälle, Stimmen«

    Poe­tik­vor­le­sun­gen stel­len eine Beson­der­heit inner­halb der lite­ra­ri­schen und aka­de­mi­schen Land­schaft dar. Sie bie­ten eine ein­zig­ar­ti­ge Platt­form, auf der Schriftsteller:innen ihre poe­to­lo­gi­schen Ansät­ze und indi­vi­du­el­len Schaf­fens­pro­zes­se reflek­tie­ren und einem Publi­kum prä­sen­tie­ren kön­nen. Ein ein­drucks­vol­les Bei­spiel gab Dani­el Kehl­mann mit sei­ner Poe­tik­vor­le­sung im Rah­men der Tübin­ger Poe­tik­do­zen­tur im Novem­ber 2024. Kehl­mann, ein Autor, der stets die Gren­zen…

  • »Man muss der Anwalt seiner Figuren sein«: Ambivalente Figuren in Daniel Kehlmanns Lichtspiel und Nora Bossongs Reichskanzlerplatz

    Nicht nur, wenn man zum ers­ten Mal kon­fron­tiert wird mit den Schre­cken der Nazi­zeit und den unzäh­li­gen Men­schen, die das alles haben gesche­hen las­sen, stellt man sich die Fra­ge: Wie hät­te ich wohl selbst gehan­delt? Wel­che Prio­ri­tät hat mora­li­sche Inte­gri­tät, wenn man dafür das eige­ne Leben und die Sicher­heit gelieb­ter Men­schen aufs Spiel set­zen muss?…

  • Kehlmann als literarischer Regisseur der Geschichte

    Der his­to­ri­sche Roman ist ein in der Gegen­warts­li­te­ra­tur belieb­tes Gen­re. Dani­el Kehl­mann gilt als Exper­te auf dem Gebiet und zieht mit sei­nen Büchern sowie sei­ner öffent­li­chen Prä­senz vie­le Leser:innen an. Anläss­lich der Tübin­ger Poe­tik-Dozen­tur 2024 sprach er mit Nora Bossong, die ihren his­to­ri­schen Roman Reichs­kanz­ler­platz (2024) vor­stell­te, über den Pro­zess des Schrei­bens über Geschich­te und…

  • Zwischen Fakten und Fiktion: Kehlmanns Drehbuch zur Kafka-Serie

    100 Jah­re nach Franz Kaf­kas Tod sind kaum Details über sein Leben unent­deckt geblie­ben. Sta­pel von Tage­bü­chern und Brie­fen sowie sei­ne Wer­ke geben Gene­ra­tio­nen von Leser:innen Auf­schlüs­se über sein Leben, und trotz­dem bleibt Kaf­ka ein Mys­te­ri­um. Dies trägt zur andau­ern­den Fas­zi­na­ti­on nicht nur sei­ner Wer­ke, son­dern auch sei­ner Per­son bei, und es wird immer wie­der…

  • »Noch Wach?« — von einem Mann über einen Mann

    Der »ers­te gro­ße #MeToo Roman«, so heißt es über Ben­ja­min von Stuck­rad-Bar­res neus­ten Roman Noch Wach? Erschie­nen ist der Roman im April 2023 und somit sechs Jah­re, nach­dem der #MeToo-Skan­dal los­ge­tre­ten wur­de, und zwei, Jah­re nach­dem Juli­an Rei­chelt sich nicht mehr Chef­re­dak­teur der Bild­zei­tung nen­nen darf. Auf letz­te­ren scheint der Roman ja mas­siv anzu­spie­len, auch wenn…